Heuschrecken fallen über Elsässer her!

grün-grün-grün

Damit hatte Querfrontkopf Jürgen Elsässer wohl nicht gerechnet. Als er am gestrigen Dienstag auf Einladung des Würzburger Friedensbündnises sein Buch „Angriff der Heuschrecken und globaler Krieg“ vorstellte, wurde seine schaurige Vision wahr. Ein Schwarm von Heuschrecken, der extra aus den Vereinigten Staaten eingeflogen war, fiel über den Buchladen her, verwüstete und verspeiste alles, was nicht bei drei auf den Bäumen war und hinterließ nur ein kahles Stück Erdboden.
Ok, ganz so krass war es wohl nicht, aber für ein wenig Aufuhr und Unruhe konnten die beiden menschlichen Heuschrecken schon sorgen. Zumindest wurde man anfangs für die Anhängerschaft Elsässers gehalten, die seine geistigen Ergüsse durch lustige
Showeinlagen wohl etwas erfrischender hätte wirken lassen sollen.
Elsässer selbst wusste wohl genau was los war, verflüchtigte er sich doch schnell nach dem Auftauchen des ungeliebten Ungeziefers in den Backstagebereich.
Leider wurde die Invasion der Heuschrecken ziemlich schnell als solche erkannt und als störend empfunden, und die „Heuschrecken des Kapitalismus“ (Elsässer) wurden des Platzes verwiesen.

zirp zirp Jürgen Elsässer (ganz links) flieht vor der drohenden Plage

zirp Insekt frisst die Bibliothek der Linkspartei kahl

Back with Zitaten

Nach langer Blogging-Abstinenz:

Es ist leider wahr. Irgendwann hat ein verklemmter Fritze entschieden, dass gezieltes Wir­kungs­trinken ein schlimmes Vergehen darstellt. Und was noch schlim­mer ist: Irgendwie hat der Kerl es geschafft, eine Masse anderer ver­klemmter Spießer zu überzeugen, und deshalb schaut unsere selbst­gerechte Gesellschaft auf harte Trinker herab. Was dazu führt, dass die meisten Schnapsnasen bewusst oder unbewusst Schuldgefühle entwickeln.

Aber ich stehe hier, um Ihnen ein für alle Mal ins Gewissen zu reden: Sie brauchen sich nicht zu schämen! Mit Ausnahme des einen Mals, als Sie sich halbnackt auf der Motorhaube des Cabrios Ihres Freundes geräkelt und der alten Dame zugerufen haben: »Ich habe alle Ihre Katzen gevögelt, Sie alte Hexe!« Dafür sollten Sie sich wirklich schämen.

Aber abgesehen von diesem einen Augenblick würdelosen Beneh­mens, den wir auch nie wieder erwähnen wollen, ist es keineswegs so, dass der Alkohol Sie in eine miese Ratte verwandelt. Im Gegenteil, Sie sind Teil einer alten und ehrwürdigen Tradition, die bis zum Anbeginn der Menschheit zurückreicht. Vergegenwärtigen Sie sich, dass die überwältigende Mehrheit der Männer und Frauen, die wahrhaft Ge­schichte geschrieben haben, jene Säulen also, auf denen jede große Gesellschaft gründet, bis zum Abwinken gefeiert und gebechert hat. Sie folgen also nicht dem Beispiel der Räudigsten und Schwächs­ten, sondern treten in die Fußstapfen der Klügsten und Besten.

und

1. Der Filmriss muss in dem Augenblick einsetzen, in dem Sie am Frei­tag Ihren Arbeitsplatz verlassen, und bis in die frühen Morgen­stunden des Montags anhalten.

2. Solange Sie bei Bewusstsein sind, sollte sich stets ein alkoholisches Getränk in Reichweite befinden.

3. Es ist absolut erforderlich, dass Sie mindestens achtzig Prozent des Wo­chen­en­des vergessen. Und trauern Sie nicht um all die kostbareren Er­innerungen. Wenn Ihre Freunde Ihnen alles erzählen, werden Sie sich sofort wieder betrinken, um alles wieder vergessen zu können.

Aus: Frank Kelly Rich: Die feine Art des Saufens.

Via Jungle World

Man nehme sich dies bitte zu Herzen.

Veranstaltungshinweise

Audience

Auf 2 Veranstaltungen möchte ich aufmerksam machen:

Zum einen stellt Karl Selent (nicht der Mann auf dem Foto) am Mittwoch, den 28.2 um 19.30 im KuNo Nürnberg sein Buch „Ein Gläßchen Yarden-Wein auf den israelischen Golan“ vor:

28. Februar 2007
19:30 Uhr
Kulturladen Nord (Wurzelbauerstraße 29)
Nürnberg

Vortrag und Diskussion
mit Karl Selent

Häresie aus Zeiten der Heiligen Al Aksa Intifada ist, was der Referent in dieser Veranstaltung präsentiert. Er kauft bei Juden auf dem israelischen Golan, verteidigt die Siedler von Hebron und macht, laut Micha Brumlik, den Medienberater für Ariel Sharon und Slobodan Milosevic. Selent weiß von PLO-Bomben gegen Antizionisten und verrät die exakte (!) Zahl der Jungfrauen, die den palästinensischen Märtyrer im Paradies erwarten. Vom Massaker in Sabra und Shatila will er nichts hören – berichtet jedoch über das zweite, das vergessene Massaker in den beiden Flüchtlingslagern, bei dem „wahrscheinlich noch mehr palästinensische Zivilisten als beim ersten Sabra-Shatila-Massaker ermordet wurden.“ (Udo Steinbach: Der Nahe und Mittlere Osten. Opladen 1988 S.675). Für die historischen arabischen Friedensbanditen Palästinas findet er adäquate Worte, den Kosovo-Palästinensern dagegen würde er gerne mal Arkan den Tiger zeigen. Er hat über den ersten Toten im virtuellen Cyber-Jihad zu berichten und bietet dem Leser -aus sicherer Entfernung- einen Blick ins Lager des „Humanitären Interventionismus“, wo propalästinensische radikale Linke als Protagonisten einer deutsch-europäischen „Friedenstruppe“ für Nahost sich betätigen. Daher gibt es über linksradikale Walserisierung und Finkelsteinerei zu berichten, aber dies nicht allein in der radikalen Linken, sondern auch beim Lieblingskind der deutschen Medien, der israelischen Friedensbewegung. Wider den Geschichtsrevisionismus verteidigt der Autor die Erkenntnis, daß der Nahostkonflikt nur im Zusammenhang mit dem Antisemitismus und dem Holocaust zu verstehen ist. Er beschreibt die Verbindungen der frühen arabischen Nationalbewegung Palästinas zum Dritten Reich. Schon den Aufstand von 1936 bis ’39 betrieb die Bewegung mit italienischen Waffen und deutschem Geld. Die Verstrickung ihres Führers, des Muftis von Jerusalem, in den Holocaust ist bekannt. Selent aber weiß von weiteren, kaum oder gar nicht bekannten palästinensischen Nazi-Kollaborateuren. Er verweist auf die palästinensische Bodentruppe der deutschen Luftwaffe im Irak von 1941 und outet den ersten militärischen Ausbilder des Yasser Arafat: einen Wehrmachtsoffizier. Wer hat die Fatah gegründet? Langjährig zuverlässige Parteigänger des Muftis von Jerusalem. Wer formierte PFLP und DFLP, den vorgeblich „marxistischen“ Flügel der PLO? Die Brut, die in den fünfziger Jahren zu den arabischen Freunden des Dritten Reichs aufgeblickt hatte. Zu wem blicken sie heute auf? Zu ihrem historischen Helden, dem Nazi-Kollaborateur Abdel Kader al-Hussaini. Wer verehrt und idealisiert noch heute die arabischen Führer Palästinas, die es mit Adolf Hitler gehabt haben? Die offizielle Autonomiebehörde der palästinensischen Gebiete.

Karl Selent studierte an der Komsomolhochschule in Moskau Sowjetmarxismus und ist Diplom Sozialwissenschaftler.

Zum Anderen gibt es am Donnerstag, den 1.3 ein besuchenswertes Konzert im Zentralcafe im K4, Nürnberg. Aufspielen werden dort The Audience (der Sänger ist der Mann auf dem Foto) und Escape Hawaii. Doch nicht nur das: Beide stellen ihre jeweils neue Langspielplatte vor.

„Goodbye Mr. Disco“ ist an diesem Abend wohl das richtige Thema. Wer braucht staubige Discotheken mit ihren stumpfen Lichterkugeln. THE AUDIENCE braucht sie nicht und ihr werdet sie auch nicht vermissen. Das schweißtreibendste Quintett des Jahres 2006 stellen ihr neues Album ‚Celluloid‘ vor. In den letzten 3 Jahren begeisterten die fünf Hersbrucker Aufgussliebhaber die Bretter in kleinen und großen Städten von kleinen Kellern bis zu kleinen 3. Etagen und dürfen am 1.3. neben der Platten-Präsentation von „Celluloid“ auch ihr 100. Konzert feiern! Haltet eure Frottetücher fest und küsst eure in die luftragenden Hände, tanzt den Mandelöl und kühlt eure heißlaufende Stirn.
Schwingend in die Nacht und rein ins K4.
Als wäre das nicht genug, stellt auch die Einmann-Gameboy-Punk-Show ESCAPEHAWAII einen neuen Tonträger vor. Champagnerflaschen zerbrechen und der ganze abgefuckte Sud tropft auf die Tasten eines goldenen Synthesizers. Klangexplosionen erschüttern das Treiben. sterile Nullen und Einser schießen in den schwarzen Elektrohimmel. Weich wie Watte. Eng schmiegt sich der Duft von Emotionen an das Ohr und Krach und Verzerrung tanzen die Nacht zum Tage.

Man sieht sich.

Afterhour in Augsburg

USA ISrael

Nachdem bis in die Morgenstunden zu Ricardo Villalobos getanzt und gefeiert wurde lohnte es sich einfach nicht mehr zu schlafen bevor man die Fahrt nach Augsburg antrat, wo um 12.00 Uhr Nazis gegen „den angloamerikanischen Bobenterror“, also die antifaschistische Bombardierung Augsburgs demonstrierten.
Selbst ganz planlos, jedoch mit den Fahnen der Allierten im Gepäck dort angekommen schloss man sich mit großen Bedenken und einer gewissen Vorahnung der Gegendemo an, ein zusammengewürfelter Haufen aus komischen Antifagruppen, bürgerlichen Demonstranten des „Bündnis für Menschenwürde“ und wildgewordenen Punks.
An Kuriositäten hatte diese Stadt einiges zu bieten: Während wir in Nürnberg die Flagge des Staates Israel geschätzte 30 Sekunden hochhalten hätten dürfen, bevor wir des Platzes verwiesen worden wären, scheint die dortige Linke entweder recht vernünftig oder sie ist einfach gänzlich ahnungslos. Ich halte letzteres für wahrscheinlicher.
Nur eine Person machte uns darauf aufmerksam, dass „die Amerikaner“ doch „die Nazis von heute“ seien und wir uns mit der von uns gezeigten USA-Fahne doch bitte „verpissen“ sollen.
Die Nazis wurden auf die übliche Art und Weise beschimpft, es schien diesen selbsternannten Antifaschisten ein Anliegen zu sein das schöne Augsburg von der „braunen Scheisse“ sauberzuhalten. Der in Rage geratene Mob war dann auch nicht mehr allzu vorsichtig bei der Wortwahl, plötzlich warf man den eingekesselten „Volksgenossen“ Wörter wie „Spastis“, „Behinderte“ oder „Hurensöhne“ an den Kopf und legte ihnen ans Herz, endlich zu „verrecken“.
Die bürgerliche Mitte ist natürlich auch gern dabei, wenn sich der Volkszorn entlädt. Ein Mann rief, sich der Paradoxie offenbar
nicht bewusst, dem Redner der NPD zu: „Du bist doch kein Deutscher, du Faschist“. Ein anderer Herr hielt neben seiner Israelfahne ein Banner der Linkspartei in den Wind. Wen wundert es da noch, dass unsere Israelfahne kurzzeitig von einem Jungspund mit PLO-Tuch hochgehalten wurde. Die Verwirrung war perfekt und die ganze Situation jedenfalls absurd genug, um sie nicht länger ertragen zu wollen, bereit den Heimweg anzutreten. Endlich zu schlafen.

Selbstkritik oder Projektion?

Pilsner Urquell

Ein guter Bekannter von mir sah einen Mann vor der Prager Oper stehen, der unter lautem Ausrufen der beiden Wörter „Dekadenz“ und „Verschwendung“ den Inhalt einer vollen Zigarettenschachtel an die ihn umgebende Luft und den gepflasterten Boden verteilte. Bei näherer Betrachtung, so mein Freund, konnnte man ein Leuchten in seinen Augen erkennen, die ihn beschäftigende Arbeit führte er anscheinend mit großer Begeisterung aus.
Eben jener Bekannte, der diese Geschichte zu berichten hatte, übergab sich noch am gleichen Tage in einen Mülleimer mitten auf dem Altstädter Ring. Auf die Frage einer uns beiden vertrauten Person, was sich denn auf den Straßen Paris‘ so abspiele, antwortete er, 2 Stunden nachdem er seinen Mageninhalt entleert hatte: „Das ist so nämlich – ich bin nämlich schläfrig, daher werde ich schlafen gehen.“1
Was darauf jedoch folgte ist bemerkenswert und ließ auch die Geschichtsschreiber und Historiker nicht gänzlich unberührt . Eine dritte Person, mit den anderen Erwähnten ebenfalls befreundet, schlief in einer Bar. Er hatte sich als Schlafplatz einen 1,50 großen Barhocker ausgesucht, der Kopf war auf den Tresen gesenkt, das Bier noch nicht leergetrunken. Es muss ein Windstoß oder eine plötzliche traumbedingte Zuckung gewesen sein, die ihn dazu veranlasste, nach freiem Fall und lauten Aufprall seinen Schlaf am Boden ungestört fortzuführen.
Letzterer Vorfall wird gemeinhin als „Prager Tresensturz“ bezeichnet – es folgten 30 schreckliche Kriegsjahre.

  1. Aus: Franz Kafka – Gespräch mit dem Betrunkenen [zurück]

Noch ein Tip für Prag

„Du suchst nach individuellen Perspektiven, der aktuellen Krisenverwaltung zu entfliehen? Gerade weil eine emanzipatorische Alternative zu den aktuellen gesellschaftlichen Verhältnissen ferner denn je zu sein scheint? An diesem Punkt knüpft die Forschungsarbeit unserer Einrichtung an. Das Grundanliegen unseres Instituts ist es, durch praktische Selbsterforschung, die Handlungsspielräume eines hedonistischen Lebensentwurfs innerhalb des falschen Ganzen auf ein Maximum auszureizen. Primäres Ziel ist es dabei, die eigene Ware Arbeitskraft physisch wie auch psychisch derart zu deformieren, dass eine Verwendung unter dem herrschenden Verwertungsdiktat nahezu unmöglich wird. Dies tun wir mitnichten aus purem Pragmatismus, wir haben außerordentlich Spaß dabei!
Wenn also auch du im Alltag nichts besseres zu tun hast, als entgegen der herrschenden Dogmen Idealen wie Genuss, Sinnlichkeit und Müßiggang zu frönen, was dann nicht selten in Rauscherlebnissen, seien sie bewusstseinserweiternder, sexueller oder sonstiger Natur, mündet, bist du herzlich willkommen dich unserer Forschungsarbeit anzuschließen!“



Das Institut für angewandten Hedonismus

na zdravi, praha!

So, da ich ab morgen für ein paar Tage in der wunderbaren tschechischen Hauptstadt verweilen werde, komme ich wohl nicht umhin, hier noch jene Songs zu bloggen, die ich auf jeden Fall auf Cd pressen und mitnehmen will.

Tap Tap – 100.000 Thoughts

The Knife – We share our mothers health (Ratatat Rmx)

LCD Soundsystem – North American Scum

Justice Vs. Simian – We are your friends


Freeform Five – No Conversations (Nightmoves Rmx)


Freeform Five – No Conversations (Switch Rmx)


Dj Koze aka Adolf Noise – Der Grundton (Michael Mayer Rmx)

Die, Öko, Die!

Haben Sie, lieber Leser, auch an der „Bio-Revolution“ gezweifelt? Ich nämlich schon. Und jetzt weiß sogar Greenpeace: Wir haben Recht behalten.

Doch das will hier niemand wissen: In Nürnberg startet heute, pünktlich zur fünften Jahreszeit der sogenannte „Biofasch“, der jedoch mehr zu sein beansprucht als eine gewöhnliche Karnevalsparty. Ökofaschisten, Gemüsefreaks und andere Narren aus aller Welt treffen hier für ein ganzes Wochenende zusammen. Na gottseidank bin ich in Prag!

Robbie Williams lässt sich’s gutgehen

Laut der Web.de Klatsch und Tratsch – Rubrik, Tageszeitungsersatz und Befriediger meiner Sensationsgeilheit, gehörten nebst Antidepressiva und verschreibungspflichiger Tabletten aller Couleur „mehr als 30 doppelte Espresso[…], mehr als 60 Zigaretten[…]und mehr als 20 „Red Bull“-Energiedrinks“ zu Robbie Williams täglichem Gesamtbedarf an Betäubungsmitteln bevor
er an seinem dreiunddreißigsten Geburtstag in einer Entziehungs-Klinik mit Promi-Erfahrung in den USA unterkommen sollte.

Robbie Williams – Never touch that Switch (Switch Rmx)

Nachtrag: BILD ließt kubrick.blogsport.de

Bild.de

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Von der Schwierigkeit, Fußballfan zu sein

Stadion

Fußballspiele sind im Grunde recht faschistoide Veranstaltungen. Ausnahmen bestätigen bekanntlich nur die Regel. Nicht dass der sympathische Ballsport etwas dafür könnte: Der Handball kann ja auch nichts dafür, dass er plötzlich, als nationaler Auftrag verkannt (oder erkannt?), von allen Deutschen, die es ansonsten komischerweise mit Churchill ( „No Sports“) halten, astronomisch hohe Einschaltquoten genießt. Auf einmal begeistert sich die halbe Welt für Handball. Warum ist klar: Es geht um Deutschland.

Ich kann nur von Nürnberg sprechen: Was von mir selbst als harmloser Lokalpatriotismus trivialisiert wird, ist in Wirklichkeit viel mehr. Und ich nehme an, dass die einzelnen Vereine in Sachen „Fankultur“ sich wenig nehmen.
Heimspiel sowie Auswärtsspiel bedeutet Identitätsbildung. „Daheim“ ist man Übermacht, auswärts Minorität, die gegen übermächtige Kräfte ankämpft. Beides bedeutet dasselbe.
Es benötigt zu derartiger Vergemeinschaftlichung ein Feindbild. Dieses variiert von Spieltag zu Spieltag, einmal sind die Spieler und Fans aus Stuttgart „Hurensöhne“, eine Woche später erledigen diesen unrühmlichen Job die „Bayernschweine“ aus München.
Zwar selten, aber exemplarisch kommt es dann auch einmal vor, dass ganz offen ausgesprochen wird, was der jeweilige Gegner für den gemeinen Fußballfan darstellt. So geschehen am 5.12.2005, als beim Spitzenspiel der 2.Bundesliga Fans von Energie Cottbus gegen Dynamo Dresden ein Transparent mit der Aufschrift „Juden“ hochhielten, das „D“ gebrandmarkt als das Vereinslogo von Dynamo Dresden.
Dieser „Einzelfall“, zwar zurecht, aber eben nur als solcher von allen Seiten kritisiert, verdeutlicht nur einmal mehr, dass der Fußball als hervorragendes Ventil dient, den Volkszorn an ausgemachten Feinden auszulassen.
Es schämt sich der über die Woche brave Familienvater nicht, seinen Hass auf alles andersartige jeden Samstag, 15.30 (in diesem Fall Freitag, 20.30) ganz öffentlich zu verkünden: „Schwuler FCB“ singt er, oder „Tod und Hass dem FCB“, und weiß ganz genau, dass er auch „Tod und Hass dem Juden“ singen würde, würde es die Zeit erlauben.

Basti

Auch traditionell faschistische Organisationsformen sind der deutschen Fankultur nicht fremd.
Die Nazistadt Nürnberg zumindest, bekannt durch Lebkuchen und Bratwürste, Rassengesetze und Reichsparteitage, hält an dem Führerkult fest: Ganz gemäß dem Motto „Du bist nichts, dein Volk dein Verein ist alles“ spielt der Sparkassenangestellte „Basti“ (Foto) den Chefideologen und Vorschreier. Mit ausgestreckten Armen brüllt seine Gefolgschaft (10 000 durchgeknallte Fanatiker) alles nach, was er für verkündenswert hält.
Heraus kommen beispielsweise solch intelligente Sätze wie: „Ich war sehr begeistert und fand es auch geil,
von nun an war ich auch immer dabei“.
So gleicht eine berühmte Forderung der berüchtigten UN94 (Ultras Nürnberg 1994) zur Mobilisierung des nürnbergerdeutschen Nachwuchses in vielen Punkten der Propaganda und Bestrebung der HJ1.
In ihrer hierarchischen Organisation propagieren die so genannten „Ultras“ einen Antikapitalismus, der an antisemitische Stereotype wie dem des „Geldjuden“ anknüpft und vor allem am Beispiel des „Klassenfeindes“ Bayern München festgemacht wird. „Uli Hoeness, wir scheißen auf dein Geld, wir machen aus dem FCB den größten Puff der Welt“ tönt es aus den heimischen Reihen und nicht selten ist die Rede von einer Vereinnahmung des „Volkssport“ Fußballs durch die Kapitalisten dieser Welt. Gewettert wird gegen einen Authentizitätsverlust, gegen zu hohe Spielgelder, gegen Manager, die überall die Fäden ziehen, gegen die Verjudung den Ausverkauf des Massensports.
Das Zitat „Sind geboren um für euch zu sterben“ stammt nicht etwa von Selbstmordattentätern oder Nazis, sondern von besagten Brüllaffen der Nürnberger Fanposse.
In völliger Verblödung heißt es weiter: „Sind wir dann einmal gestorben, werden wir wieder auferstehen“. Ein absurdes Bekenntnis zu Deutschland, zum Selbstopfer, zu Jesus Christus.
Der Gipfel des Eisbergs ist erreicht, wenn in geschätzten 200 Meter Entfernung zum Reichsparteitagsgelände nach gewonnenen drei Punkten faschistische „Sieg“-Rufe ertönen, getragen von einem zehntausende Mann zählenden Mob, der das Stadion in einen gespenstischen Massentempel verwandelt, der nicht zufällig an nationalsozialistische Massenkundgebungen erinnert. Mit dem kleinen, aber feinen Unterschied, dass unten nur Fußball gespielt wird.
Das bekannte „U-Bahn Lied“, nicht selten zu hören auf dem Weg von Stadion zum Hauptbahnhof, setzt dem nur noch die Krone auf.

Nun das große Aber: All dem zum Trotz Fußballfan zu sein, ist wahrlich schwierig. Aber es geht. Und so ist die Freude über den grandiosen 3:0 Sieg im gestrigen Derby gegen den FC Bayern München groß, der doch mit einem ambitionierten neuen Trainer („Dass es schwer wird, wusste ich. Dass es so schwer wird, ist überraschend“) und großen Erwartungen nach Nürnberg gefahren ist.
Wider den deutschen Geist im Sport, entgegen dem Identitätskram und dem Massenerlebnis wird der Derbysieg also noch bis in die frühen Morgenstunden gefeiert und darf ruhig im Gedächtnis verweilen.
Der FC Bayern München hingegen darf sich schon einmal nach einem neuen Trainer umsehen.

  1. Den genaue Wortlaut dieses Flugblatts konnte ich nirgends finden, bei Gelegenheit wird er nachgereicht [zurück]


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